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Aktiv im Alter

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Altes rotes Sofa mit ausgesessener Sitzfläche


"Dat geht los!": Aktiv im Alter in Wilster

WilsterGroßansicht des BildesOtto Andresen mit aktiven Wilsteranerinnen und Wilsteranern auf Tour durch die schöne Wilstermarsch.

7000 Kilometer im Jahr legt Otto Andresen auf zwei Rädern zurück. Das war nicht immer so. Fürs Radfahren entschied sich der 73-jährige bewusst, als bei ihm vor acht Jahren Asbestose diagnostiziert wurde. Seine Lungenerkrankung zog sich der gelernte Tischler und Zimmermann bei jahrelanger Arbeit auf dem Bau zu. Die Ärzte rieten ihm zu Sport und frischer Luft, und so schwang sich der Frührentner aufs Rad. Doch mehr noch als heilsame Therapie, die Andresen hilft, wieder frei durchzuatmen, ist das Radeln für ihn zum unentbehrlichen Hobby geworden. Täglich fährt er mit Sturzhelm und sportlichem Dress 25 bis 30 Kilometer durch die flache holsteinische Landschaft, manchmal schon morgens früh um fünf. "Das tut gut und ist ein schönes Gefühl, das ich mit anderen teilen möchte!" sagt der gebürtige Wilsteraner.

Als Anfang des Jahres ein Bürgerforum in Wilster stattfand, bei dem die Initiative "Aktiv im Alter" vom Amt Wilstermarsch, der Stadt Wilster, dem Seniorenbeirat von Wilster und dem Regionalverein Wilstermarsch vorgestellt und nach Aktiven für die Umsetzung von Ideen und Projekten gesucht wurde, saß auch Andresen unter den 70 Bürgerinnen und Bürgern, die gekommen waren und Lust hatten, sich einzubringen. Spontan plädierte er für eine Fahrradgruppe. "Eine tolle Idee!" sagt die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Anke Rohwedder. "Otto Andresen ist ein reger Aktivposten in der Stadt und hat sich schon früher in der Kommunalpolitik engagiert. Als Radfahrer ist er stadtbekannt." Nun setzt Andresen seine Idee in die Tat um. Am 10. Juli 2009 startete die neue Fahrrad-Gruppe unter Andresens Leitung. Bei den Touren durch die Wilstermarsch kann er seine Freude am Radfahren und sein Wissen über die Historie der Wilstermarsch vermitteln. "Ich kenn ja nun jede Ecke hier und weiß wo die Schönheiten zu finden sind," sagt der Ortskundige.

Dass so viele Interessenten dem neuen Angebot folgen, hätte Otto Andresen nicht gedacht. Bei den ersten drei Strecken nahmen insgesamt schon 36 Radfahrer teil. "Die meisten sind zwischen 60 und 80 Jahre und haben wunderbar mitgemacht und zugehört." Teilnehmen können Menschen jeden Alters, Einwohner, aber gerne auch Touristen. Jeden Freitag um 9.30 Uhr trifft sich, wer mitfahren möchte am Friedhof-Parkplatz in Wilster. "Dat geht los," sagt Andresen mit norddeutschem Dialekt, "auch bei schlechtem Wetter." Aber im gemütlichen Tempo, denn es geht nicht darum "Kilometer zu fressen", sondern abseits der größeren Straßen in netter Gesellschaft kleine Ausflüge zu veranstalten. Die Strecken sind nicht länger als 15 bis 20 Kilometer und an interessanten Stellen werden Pausen eingelegt. "Im Vordergrund stehen die Freude an der Bewegung und der Spaß am Klönen. Ich will einfach, dass die Leute auf die Beine kommen," erklärt Andresen sein Projekt.

Im Rahmen des Modellprojekts "Altiv im Alter" haben die Stadt Wilster und die umliegenden Gemeinden schon einige Projekte auf die Beine gestellt. Am 5. Juli 2009 feierte das Aktionsprogramm Bergfest und präsentierte im Zelt des Seniorenbeirates den Status quo. Insgesamt 14 Projektideen wurden Anfang des Jahres beim Bürgerforum in Arbeitsgruppen erarbeitet, die nun nach und nach umgesetzt werden. Beispielsweise hat auf Anregung des DRK-Ortsverbandes Wewelsfleth ein Helfer-Seminar stattgefunden, wo sich Frauen und Männer zu ehrenamtlichen Helfern ausbilden lassen konnten, um Familien im Alltag mit Demenz-Kranken zu unterstützen. In Brokdorf wurde bei Inbetriebnahme des neuen Elbe Ice Stadions eine Senioren-Eishockeygruppe "50 plus on Ice" gegründet. Mindestalter ist 50 Jahre, der derzeit älteste Teilnehmer ist 78. Um auch nach Abschluss der Projektphase und über das Projekt "Aktiv im Alter" hinaus die Bedürfnisse der Senioren in der Gemeindearbeit weiter im Fokus zu haben, wird derzeit in den Gemeindevertretungen diskutiert, so genannte Seniorenbeauftragte zu berufen. Auf Amtsebene sollen nach Möglichkeit die Bemühungen zur Verbesserung der Situation von Senioren weiterlaufen.