Aktiv im Alter

Sie könnten mehr Spuren hinterlassen als eine Kuhle im Sofa.

Altes rotes Sofa mit ausgesessener Sitzfläche


Das aktive Doppelpack

Herta Fischer und Inge Möller verbindet mehr als nur das Alter. Dass die beiden ihren 77. Geburtstag bald zusammen feiern werden, verdanken sie ihren Kindern. Als der Sohn von Frau Möller sich in die Tochter von Frau Fischer verliebt hat, war dies vor allem für die älteren Damen eine glückliche Fügung. Seitdem leisten sie einander Gesellschaft, gehen zusammen zur Wassergymnastik, spielen nachmittags RommeCup und kochen abwechselnd jede Woche füreinander.


Da war es keine Frage, dass sie sich auch gemeinsam auf den Aufruf in der Zeitung meldeten: Es wurden ältere Engagierte gesucht, die Ideen zur Freizeitgestaltung in der Hansestadt Greifswald hatten und diese auch umsetzen wollten. „Frau Möller kann so gut malen und dann hat sie einen Entwurf für einen Flyer zum Thema Freizeitgestaltung gezeichnet und wir haben den an Frau Riesinger geschickt“, erinnert sich Frau Fischer. Anette Riesinger arbeitet im Greifswalder Stadtteil Schönwalde II beim Caritasverband Vorpommern und betreut unter anderem das Programm Aktiv im Alter. Für sie sind die beiden Damen ein tolles Beispiel für Aktive im Alter, deren Unterstützung sie sich sicher sein kann.

So haben die beiden natürlich auch beim Seniorenforum mitgemacht, das am 23. März 2009 im Schönwaldecenter umgesetzt wurde. Auf Basis der Ergebnisse der Seniorenbefragung, die im Rahmen von Aktiv im Alter durchgeführt wurde, diskutierten die Teilnehmer Vorschläge für zukünftige Projekte. „Bei der Befragung haben wir überraschenderweise festgestellt, dass die Seniorinnen und Senioren in Greifswald eigentlich ganz zufrieden mit ihrer Wohnsituation und der Versorgungslage sind. Allerdings wünschte sich ein großer Teil mehr Angebote zur Freizeitgestaltung“, resümiert Anette Riesinger die Ergebnisse der Befragung.

 Foto_HgwGroßansicht des BildesHerta Fischer (zweite von links) und Inge Möller (dritte von links) beim Seniorenforum in der Hansestadt Greifswald

Damit das in Zukunft anders wird, haben die Teilnehmer des Seniorenforums die Arbeitsgruppe „Begegnungsstätte“ gegründet. In den wöchentlichen Treffen sollen Kulturveranstaltungen wie plattdeutsche Abende, gemeinsames Filme schauen und andere Aktivitäten organisiert werden. Einige Projekte wurden bereits realisiert. Immer dabei: Frau Fischer und Frau Möller. „Wir hatten die Idee, dass man für den Außenbereich der Begegnungsstätte große Schachfiguren bauen könnte. Bei mir in der Familie spielen alle gerne Schach. Besonders mein Mann war ein guter Spieler, der hat mich in drei Zügen Schachmatt gesetzt“, erklärt Herta Fischer wie es zu dem Vorhaben kam.

Mit der Unterstützung des Bildhauers André Kalunga Peters, der einen Großteil seines Lebens in Afrika verbracht hat, und gemeinsam mit vier Jugendlichen eines Gymnasiums in Greifswald baute die fünfköpfige Seniorengruppe schließlich die Figuren. „Das Tollste daran war eigentlich, dass man mal herauskam. Man kann ja nicht immer nur im eigenen Saft schmoren“, beschreibt Frau Fischer das Projekt begeistert. „Die Jugendlichen haben einen Entwurf für die Figuren gestaltet, der Bildhauer hat die Figuren aus Holz ausgesägt und gemeinsam haben wir sie dann gestrichen und geschliffen.“

Für die Organisatorin Anette Riesinger war auch die Begegnung zwischen Jung und Alt ein besonderes Anliegen. Bei Kaffee und Kuchen sind Menschen zusammengekommen, die sich auf der Straße wahrscheinlich nicht unterhalten hätten. Ihr geht es aber auch darum, anzuerkennen, dass Seniorinnen und Senioren mit 70 heute ganz andere Bedürfnisse haben als noch vor ein paar Jahren. Die vielen Ideen brauchen einen Raum, der mit der Begegnungsstätte geschafft werden soll. Frau Fischer und Frau Möller freuen sich bereits jetzt auf die Projekte und Aktivitäten in der Zukunft. Aber bevor es da weiter geht, wird erst einmal Mittag gegessen. Gemüseeintopf. Diese Woche ist Frau Fischer an der Reihe.